15.08.2019, von Phillipp Heidenreich

„Freundschaft braucht keine Sprache“ - Jugendaustausch zwischen Wuppertal und Jekaterinburg 2019

Zum sechsten Mal trafen sich Mitglieder des russischen RSCOR (Russian Student Corps of Rescuers)/RUOR (Russian Union of Rescuers und der THW-Jugend Wuppertal, zu einem internationalen Jugendaustausch im Rahmen des Katastrophenschutzes.

2011 lernten sich die beiden Jugendgruppen aus Wuppertal und Jekaterinburg auf dem „USAR basic training for youngsters“, in Münster und Osnabrück kennen. Seitdem besteht eine Partnerschaft, die über die Jahre zu einem festen Bestandteil der Jugendarbeit in Wuppertal geworden ist.

Am 20. Juli landeten in Düsseldorf zehn Helferinnen und Helfer des russischen Gegenstücks zur THW-Jugend, dem RSCOR. Herzlich empfingen sie dort die zehn deutschen Jugendlichen. Nun galt es, sich zunächst einmal kennenzulernen, damit aus „Fremden“ mit der Zeit „Freunde“ werden konnten.

In den darauf folgenden Tagen baute sich Zurückhaltung genauso schnell ab, wie Zusammenhalt und Gruppengefühl wuchsen. Bevor es an die technische Ausbildung und gemeinsame Übungen gehen sollte, stand erst einmal das Kennenlernen der Umgebung und Kultur des Bergischen Landes und Wuppertals auf dem Programm.

In der „Eventschmiede Solingen“, im Müngstener Brückenpark, erhielt die Gruppe eine Einführung in einen der wichtigsten Industriezweige des Bergischen Landes - die Werkzeugherstellung. In über zwei Stunden schweißtreibender Arbeit schmiedeten die Jugendlichen, unter der Anleitung von Monika Brandes und ihres Teams, ein Küchenmesser aus Stahl. Die selbst hergestellten Küchenmesser konnten dann direkt beim gemeinsamen Grillen, im Schatten der Müngstener Brücke, zum Einsatz kommen.

Gemeinschaftsspiele rundeten den Nachmittag ab und fügten die Gruppe immer weiter zusammen. Um zu verstehen, was es technisch und logistisch braucht, um Wuppertal und Jekaterinburg zu verbinden, besichtigten die Teilnehmer/innen zum Auftakt der Woche den Düsseldorfer Flughafen. Hier hatten sie die Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen zu blicken. Am Nachmittag des gleichen Tages ging es dann auf eine Erkundungstour, durch die Innenstadt Wuppertal Elberfelds.

Nachdem die erste Teambuildingmaßnahmen mehr als erfolgreich abgeschlossen waren, konnten Ausbildung und Übungen beginnen. Am Dienstag machte es die Firma 3M möglich, einen Holzsteg über die Wupper zu bauen, die durch das Firmengelände fließt. Unter der Aufsicht von THW-Helfer/innen vermittelten die Junghelfer/innen aus Wuppertal ihren russischen Kameraden die Grundlagen des Stegebaus. Am Ende des Tages stand ein sogenannter „China-Steg“, der die gesamte Gruppe über die Wupper trug. Das besondere am „China-Steg“ ist, dass er mit einfachsten Mitteln, beispielsweise Leinen und Hölzern hergestellt werden und trotzdem dauerhaft für Material- und Personentransport verwendet werden kann.

Am Mittwoch folgte dann die technische Ausbildung mit dem Gerät der THW-Bergungsgruppen. Mehrere THW-Helfer leiteten die Gruppe als Ausbilder an und vermittelten Inhalte, wie beispielsweise das Anheben schwerer Betonteile, oder das Aufgleisen eines Zugwagons.

Eine willkommene Abwechslung zu den vorangegangenen Tagen, war am Donnerstag die gemeinsame Besichtigung des Neanderthal Museums, mit anschließendem Ausflug an die Bever-Talsperre. Der Besuch der dortigen DLRG-Wache mündete, wie es sich gehört, in gemeinsames Schwimmen und Toben im Wasser.

Eine Rätsel-Verfolgungsjagd brachte dann am Freitag den Teilnehmer/innen beider Nationen die Stadt Wuppertal und ihre Geheimnisse näher. Ausgerüstet mit Funkgeräten, über die in beiden Sprachen kommuniziert wurde, begaben sich die Jugendlichen an die unterschiedlichsten Punkte im Tal. Hier hatte eine Helferin des Ortsverbandes kleine Aufgaben und Rätsel vorbereitet hatte, die es zu lösen galt. Auch das Mittagessen gestaltete sich diesmal etwas anders - mit Döner und Currywurst. Nach einiger Skepsis waren jedoch auch die russischen Gäste vom „deutschen“ Fast-Food angetan.

Da sich beide Jugendorganisationen, RSCOR und THW-Jugend, der Humanitären Hilfe und dem Katastrophenschutz ohne Grenzen verschrieben haben, rückten sie am Samstag gemeinsam in einen fiktiven Einsatz aus. Ein Unglück auf einer Baustelle verlangte dem binationalen Team alles ab. Gemischte Gruppen aus russischen und deutschen Junghelfer/innen suchten das Gelände nach Verletzten ab, schafften Zugänge durch Trümmer und retteten schlussendlich vielen Arbeiter/innen auf der Baustelle das Leben.

Am Vormittag wurde die Gruppe durch erfahrene deutsche Junghelfer/innen angeführt, die am Nachmittag durch russische Kräfte abgelöst wurden, die ihnen in nichts nachstanden. Das Fazit nach diesem anstrengenden Einsatz lautete: „Jede Nation hat ihre eigenen Methoden, Menschen zu retten. Wenn wir die Methoden kombinieren, sind wir für den Ernstfall gewappnet. Nur gemeinsam können wir uns auf die Zukunft vorbereiten.

Nach den Anstrengungen der gemeinsam bestrittenen Woche, sollte es am Sonntag und Montag wieder ruhiger zugehen. Beim „Internationalen Kochen“ sorgten die Jugendlichen einmal selbst für ihre Versorgung. Neben „Kartoffelplätzchen“ und „Heringsdip“ kamen auch „Soljanka“ und „Blini“ auf den Tisch. Nach einigen Gruppenspielen und einem leckeren Stockbrot am Lagerfeuer, gab eine Hand voll russischer Kameradinnen und Kameraden, zusammen mit einem deutschen Jugendlichen die Gesangskultur ihres Landes zum Besten. Ausklingen konnte der Jugendaustausch, zwischen Wuppertal und Jekaterinburg, dann am Montag mit einem gemeinschaftlichen „Kanu-Tag“, bei der Wuppertaler Paddler-Gilde, am Beyenburger Stausee. Neben einer Fahrt im Drachenboot wurde gegrillt und der See per Kanu erkundet.

Am Dienstag, den 30. Juli, war es dann soweit, dass die neu gewonnenen, russischen Freunde Deutschland wieder verlassen mussten. Bevor es aber zum Flughafen ging, besuchten alle noch gemeinsam die Düsseldorfer Altstadt und lernten hier Spezialitäten, wie den Düsseldorfer Senf kennen.

Teilweise unter Tränen, aber immer mit einer kameradschaftlichen Umarmung verlief dann der Abschied am Düsseldorfer Flughafen. Der Jugendaustausch schweißte die Jugendlichen so zusammen, dass Kontakte entstanden, die erfahrungsgemäß noch Jahre später gepflegt werden. Die Jugendlichen des RSCOR Jekaterinburg und der THW-Jugend Wuppertal beweisen bei jedem Austausch, dass das gemeinsame Ziel Menschen in Notsituationen zu Helfen, Grenzen überwindet und starke Verbindungen schafft.

Wir freuen uns auf eine Zukunft als internationale Gemeinschaft!

Die Austauschprogramme der THW-Jugend Wuppertal werden maßgeblich durch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gGmbH unterstützt, sodass es allen Junghelfer/innen möglich gemacht werden kann, teilzunehmen.

Abschließend sei gesagt, dass dieser Jugendaustausch nicht möglich wäre, wenn sich nicht so viele Helferinnen und Helfer des Ortsverbandes Wuppertal ehrenamtlich in der Jugendarbeit engagieren würden. Die Jugendgruppe ist dankbar, für die Kameraden und Kameradinnen, auf die sie sich immer wieder verlassen kann.


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